Aussteller / Custom Shooting / Escape Challenge / Künstler / Main Stage / Messe 2019 / News

Bericht von Ricardo DD

Boundcon, die 16. München 2019

Was kann ich von dem Bericht von der Boundcon XV übernehmen: Dass auch dieses Jahr sich die Fahrt nach München gelohnt hat. Die zahlreichen Stände in der Messehalle waren wieder gut bestückt mit Gerätschaften, Spiel- und Werkzeugen, Klamotten und Kunst rund um das Thema BDSM und Fetisch und auch viele Messebesucher trugen mit ihren erotischen, fantasievollen oder skurrilen Outfits ihren Teil dazu bei, diese Messe so besonders, anregend und sehenswert zu gestalten.  
Das schon zur Tradition gewordene Escape-Challenge, bei dem zwei Mädels innerhalb von 15 min möglichst „ausbruchsicher“ mit Seilen verschnürt wurden, um dann den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch zu unternehmen, sich innerhalb von 15 min selbst oder gegenseitig zu befreien, war wieder ein Publikumsmagnet.
Eine Neuerung gab es dank der Initiativen von Pleasure Item und dem Veranstalter, die offensichtlich unabhängig voneinander mit parallelen Einladungen Miss VeVe Lane auf die Boundcon nach München geholt haben. Das Bondage Wrestling von VeVe Lane ist eine Art Kampf-Bondage, bei der zwei oder mehr Kämpferinnen gegenseitig versuchen, die Gegnerin mit kurzen (ca.3 m langen) dicken Seilen zu fesseln. Im Kampf 1 gegen 1 hatte VeVe Lane als durchtrainierte Frau in ihrer Spezialdisziplin ihr Gegenüber spätestens nach 10 eher nach 5 Minuten im Griff, sprich gefesselt am Boden. Interessanter waren dann die Kämpfe 3 gegen 1 am Freitag und 2 gegen 1 am Samstag. Die Mädels, die es sonst gewohnt waren, sich widerstandslos als Ropebunnys fesseln zu lassen, standen vor der Aufgabe eine kampferprobte VeVe Lane gegen deren erbitterten Widerstand zu fesseln. In dem Knäuel von Armen, Beinen und Seilen konnte so schon mal in der Hitze des Gefechts die Übersicht verloren gehen und eins der Mädels die Beine der Teamkollegin zu fesseln beginnen bis sie ihren Irrtum bemerkte. Bei der Übermacht von 3 gegen 1 hat es so eine halbe Stunde gedauert, bis sich VeVe Lane geschlagen geben musste.xxx Beim Kampf 2 gegen 1 am Samstag hatte es VeVe Lane geschafft, einer ihrer Gegnerinnen die Hände auf dem Rücken zu fesseln, sodass es fast den Anschein hatte, sie könne den Kampf gewinnen. Mit geschicktem Körpereinsatz und Beinarbeit konnte die Gefesselte jedoch den Kampf soweit offen halten, sodass ihre Mitstreiterin sie irgendwann befreien konnte und die beiden mit vereinten Kräften schließlich doch VeVe Lane nach 40 Minuten Ermüdungskampf auf die Matte zwingen und fesseln konnten. Das hat den Zuschauern Heidenspaß gemacht und war eine echte Bereicherung der Boundcon. 
Nicht unerwähnt lassen möchte ich einen Fesselwettbewerb, der parallel auf einem Stand in der Nähe des VIP-Bereiches stattfand, bei dem das Ropebunny sich einer besonders strengen unangenehmen Fesselung meist im Hogtie unterziehen lässt. In einer Staffelung von 10, 20 oder 30 Minuten Ausharren in der Position gab es eine entsprechende Prämie. Da hatten die Fotografen alle Zeit der Welt ein ordentliches Foto zu machen. Nur 30 Minuten zugucken, wie lange das Bunny die Tortur aushält, hatten wohl die wenigsten Zuschauer die Muße. 

Main-Stage Show: Maestro BD
Foto: Ricardo DD

Die kleine Bondage-Bühne stand wieder gleich am Eingang. Maestro BD und seine mitgereisten Italiener haben diese reichlich genutzt. Ein massives Bondage-Gestell aus Holz gab es in der Halle am Stand von secret56, das wieder eifrig genutzt wurde, wie auch einen weiteren Rahmen in einem Gang gegenüber vom Schlagzeilen-Stand. Auch am Rahmen im VIP-Bereich wurde eifrig gefesselt, selbst bis zur letzten Minute am Samstag war ein Paar noch am Fesseln, als die Halle schon leer war. 
Die Shows auf der Hauptbühne waren wieder durch die Bank weg handwerklich professionell, obwohl diesmal beim Resümieren das ganz große Show-Highlight gefehlt hat. Weibliche Rigger gab es diesmal auf der Hauptbühne keine. Mit insgesamt sieben Vorstellungen war das Programm gegenüber früherer Jahre wieder nicht so üppig. Da der Russe Mosafir und auch die Franzosen Paulli & Electra van Zunit vom letzten Jahr abgesagt hatten, musste Altmeister Matthias Grimme gleich zweimal einspringen. 

Bondage Wrestling Escape Bühne: Veve Lane, Afsana, Katarina Blade, Muriel la Roja
Foto: Ricardo DD

Den Reigen auf der Main Stage eröffnete am Freitag der erste Italiener Maestro BD Davide LaGreca. Der Maestro hatte diesmal eine Gehilfin, mit der er sein Ropebunny auf einem Stuhl angebunden hat, der dann an einem Kettenzug empor gezogen wurde, so dass sie schließlich quasi verkehrt herum hängend auf dem Stuhl saß oder besser hing. Als er der Gefesselten spielerisch ein Paar Ohrfeigen gab, war seine Gehilfin damit nicht ganz einverstanden. Daher wurde diese dann nach einer kleinen Kampfeinlage vom Maestro bezwungen und anschließend in einer Suspension aufgehängt an einem aufwändig gestalteten Bondagering, den man an seinem Stand auch käuflich erwerben konnte. Während der Nebenschauplatz mit dem Sitzmöbel kaum weitere Action bot, wechselten die Hängepositionen auf der anderen Seite mehrfach und sahen zum Teil auch sehr unbequem aus. Die Bondagetechnik war wie immer präzise, doch die Show war wenig überzeugend. Da haben wir die vergangenen Jahre wesentlich bessere Vorstellungen von ihm gesehen. Dafür konnten wir auf der kleinen Bondagebühne am Eingang einer weiteren schöne Vorstellung vom Maestro zuschauen, in der ein Mädchen im roten Kimono kunstvoll gefesselt und in die Seile gehängt und anschließend auch ein wenig mit einem Bündel aus Bambusstäben gequält wurde und auf einem unbequem anmutenden Holzbrett knien musste, woran der Maestro doch sichtlich Spaß hatte. Wir fanden, sein Outfit im blauen Kimono und die ganze Szene im japanischen Stil passte ganz einfach besser zu ihm.
Der nächste war Altmeister Matthias Grimme mit seiner Partnerin Ropecat Nicole. Gewohnt routiniert bot das eingespielte Team eine schöne Show, in der die Akteure die Seile zunächst spielerisch nutzen, um sich gegenseitig etwas zu necken und zu flirten und vor allem Nicole schaffte es mit ihrer sinnlichen Mimik und den erotischen Bewegungen ihres schönen weiblichen Körpers schnell, ihren Gegenpart nicht nur zu bezirzen, sondern ihn auch immer mehr herauszufordern, mit ihrem Körper zu spielen und endlich die Seile anzulegen. Es folgten schöne Suspensions, umrahmt von kleinen zärtlichen und liebevollen Gesten zwischen den beiden, die spürbar die Harmonie und den Genuss auf beiden Seiten unterstrich und völlig natürlich und glaubwürdig rüberkam und gipfelte in Nicoles romantischem Hängeflug mit einem transparenten und funkelnden Lichterumhang, der sie teils wie ein Kokon einhüllte, teils wie ein glitzernder Fächer um ihren schwebenden Körper wehte.
Dritter im Bunde war Bob von Ropemarks. Er hatte eine anspruchsvolle Suspension mit zwei Bambusstangen vorbereitet, die sich aber schwer beschreiben lässt. Die große und sehr gelenkige Cobie musste zunächst an ihren eng auf dem Rücken gefesselten Armen und straff aneinander fixierten Ober- und Unterschenkeln mit gespreizten Beinen an einer der Bambusstangen hängen. Schließlich kam noch die zweite Bambusstange ins Spiel, welche an ihren Beinen befestigt wurde. Gekonnt wurde nun die zweite Bambusstange senkrecht hängend an der anderen Stange positioniert, um nun als alleinigen Halt des daran gefesselten Mädchens zu dienen, was ziemlich viel Körperspannung von der Gefesselten verlangte. Schließlich wurde die Stange und damit auch Cobie mittels beider Stäbe in eine waagerechte Suspension gebracht, mal rücklings, mal kopfüber, mal bäuchlings hängend – mit einem kleinen Motivationsküsschen zwischendurch von Bob. Für meinen Geschmack war diese technisch brillante Show die beste der diesjährigen Boundcon.
Am Samstag begann Matthias Grimme mit seiner Partnerin Ropecat Nicole. Angenehm überrascht wurde der Zuschauer von einer komplett anderen Show, als am Vortag, diesmal kamen während des Bondages wieder Nadeln ins Spiel, welche sich durch Nicoles Brüste bohrten und sogar ein wenig Blut dabei floss. Sicher nichts für schwache Nerven, aber durchaus schön, auch mal ein wenig mehr SM auf der Bühne zu sehen, ich glaube auch eine Peitsche war mal mit im Spiel. 
Danach stand der zweite Italiener Andrea Ropes, mit hochgezwirbeltem Schnauzbart, barfüßig, aber adrett im weißen Hemd auf der Bühne. Die Show war handwerklich gut. Das Model wirkte mit ihren roten Haaren und der dunkel geschminkten Augen-Stirn-Partie und den vielen Tatoos auf der Haut sehr exotisch. xxx Es folgten viele verschiedene schöne Suspensions an bis zu drei Hängepunkten, ein bisschen hatte sich der Rigger auch mal mit den Seilen verhaspelt, das fiel aber sicher nur wenigen auf. 
Diesmal nicht der Höhepunkt auf der Hauptbühne war die Vorstellung von Vinciens ohne Kenyade + Umino & Azooka, die Österreich/Schweiz Koproduktion. Da Kenyade vor 3 Wochen einen Unfall hatte, mussten Vinciens und Umino allein mit Azooka vorlieb nehmen. Die beiden Rigger im Country-Stil wechselten sich somit gegenseitig beim Bondage ab, der eine mit roten der andere mit naturfarbenen Seilen, eine flotte Nummer, bei der in der Musikauswahl neben klassischem Filmwesternsound die Titelmelodie von Game of Thrones nicht fehlen durfte. Für eine kurzfristig geänderte bzw. improvisierte Performance war es aber trotzdem gut gemacht und sehr unterhaltsam, nicht zuletzt weil die Akteure auch ihr schauspielerisches Talent wieder mit in die Waagschale warfen.
Den Schlusspunkt setzte 21 Uhr der Belgier Nicolas Yoroi. Die Show war auch wenig überzeugend. Das Model wurde asymmetrisch verdreht an wenig Seil aufgehängt. Dadurch wirkte sie gequält, was allerdings auch an der lauten Hintergrundmusik, vermutlich Death Metal, liegen konnte, die nur wenigen im Publikum gefiel. Fazit, es kann im nächsten Jahr eigentlich nur wieder besser werden.
Meinen persönlichen Liebling unter den Ausstellern, den Franzosen Fred Kyrel mit seinen kunstvollen Seilapplikationen habe ich erst ganz zum Schluss entdeckt, als er mit seiner Partnerin zur Party aufbrach. Da hätte ich mal richtig in den Austellerplan schauen müssen. An seinem kleinen Stand müssen wir immer achtlos vorbei marschiert oder anderweitig abgelenkt gewesen sein.  
Das Catering im VIP-Bereich war zumindest wenn wir oben waren, getränketechnisch gut organisiert und immer Nachschub da, was bei dem großen Andrang sicher nicht ganz einfach war. Die Verpflegung war ausreichend und vom Fleisch bis zur vegetarischen Mahlzeit bis hin zu Salat und Süßspeisen alles vorhanden, allerdings fehlte manchmal so ein bisschen das Besondere oder der letzte Pfiff und die eine oder andere warme Speise konnte erst durch den Geschmackstest hundertprozentig definiert werden. Aber gemessen an dem permanenten Besucherandrang im VIP-Bereich war es trotzdem insgesamt eine beachtliche und gute Leistung des Küchen- und übrigen Personals, welches wirklich zügig hinterher war, die Tische zu beräumen und sauber zu halten. 
Ein großen Dank also noch einmal an alle, die die Messe organisiert und mit ihrer Arbeit ermöglicht haben, allen voran den Veranstaltern rund um Andreas Vötterl, der nun nach 16 Jahren unermüdlichem Engagement den Staffelstab weiterzugeben gedenkt – danke für diese fast missionarische Leidenschaft, die die Boundcon in München zu dem gemacht hat, was sie heute ist. 
Und wenn man noch immer nicht genug Bondage gesehen hatte, konnte man das am Sonnabend auf der anschließende SRD-Party weiter ausdehnen, denn auch dort gab es wieder eine kleine Bühne. 
Es ist schwierig, das einigermaßen verständlich zu beschreiben. Muss man halt selber gesehen haben. In dem Sinne freuen wir – Ladybird und RicardoDD – uns schon auf die nächste Boundcon 17 und sind ganz gespannt, womit die neue Organisatorin Minuit uns überraschen wird. Dazu wünschen wir ihr und ihrem Team viel Erfolg, gute Ideen und ein glückliches Händchen. Die neue Web-Seite ist schon mal im Netz.
Das war die Boundcon, die 16. (24.-26.05.2019)

Special Guest Stand: UKCuteGirl
Foto: Ricardo DD